Anja

Geht in die Oberlinschule in Babelsberg

»Mathe ist doof, aber möglich.«

Anja geht in die Oberlinschule. Aufgrund ihrer schweren Mehrfachbehinderung kann sie nicht selbst sprechen – dazu steuert sie einen Talker.

Jeden Montag berichten Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte im Morgenkreis von ihrem Wochenende. Natürlich will auch Anja ihre Erlebnisse mit ihren Mitschülern teilen. Sie kann es kaum erwarten, endlich die Abspieltaste ihres Talkers zu drücken. Oftmals ist sie zu ungeduldig und hält den Knopf nicht lang genug gedrückt, dann aber ertönt doch die Stimme ihres Vaters im Klassenzimmer.

Schon am Abend zuvor hat er auf das Gerät gesprochen, wie Anja das Wochenende verbrachte. Ein Lachen breitet sich auf ihrem Gesicht aus – sie ist voller Stolz. Über den Talker kann Anja auch ihre Erlebnisse aus der Schule mitteilen.

Kürzlich führte ein Wandertag zum Pferdehof Adamek. Anja – eine sehr neugierige und aufgeschlossene Jugendliche – beobachtete gebannt die Tiere und erkundete in Begleitung den ganzen Hof. Die 13-Jährige geht gern zur Schule. Ein Fahrdienst bringt sie morgens hin, um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Dank der kleinen Klassen können die Lehrer gut auf die besonderen Bedürfnisse von Anja eingehen.

In Zusammenarbeit von Lehrern, Therapeuten und Eltern entstand ein individuell auf sie zugeschnittener Förderplan. Dabei gilt der Grundsatz: So viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich. Anja soll ein Leben in größtmöglicher Selbstständigkeit erlernen. Therapien wie Übungen zur Förderung der Beweglichkeit gehören für sie ganz selbstverständlich zum Schulalltag.

In der Oberlinschule lernt sie auch den richtigen Umgang mit ihrem Talker, mit dem sie sich aktiv am Unterricht beteiligen kann. Durch die enge Verknüpfung von Lernen und Therapie in der Schule spart Anja sich nachmittags Zeit für zusätzliche Termine und kann stattdessen ihren Hobbys nachgehen. Sie steht auf Pokémon, übernachtet gern bei Oma und Opa oder schaut ihrem Bruder begeistert beim Fußballtraining zu.